Politischer Aschermittwoch: Wie die Grünen mit ihrem Wunschpartner SPD in Köln umgehen

Köln (tu) – Etwas mehr hätte man sich auf dem Politischen Aschermittwoch der NRW-Grünen in Köln schon erwartet. Die Hauptrednerin, Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), blieb bei ihrem Vortrag im Comedia Theater hinter ihren Möglichkeiten zurück. Es ist eben nicht ihre Sache, einen lieblosen Text, der witzig sein soll, wie eine Bütten-Rednerin vorzutragen. Scharf griff sie FDP-Chef Christian Lindner mit Blick auf dessen „Wut“-Rede im Landtag an, weil „der sein Leben lang vom Staat gelebt“ habe. Ob es da nicht den einen oder anderen ihrer eigenen Parteifreunde ebenfalls gibt, auf den das zutreffen könnte?

Und beim anderen politischen Gegner, dem CDU-Chef Armin Laschet, fiel ihr kaum mehr ein als diese Sache mit dem Flaschenpfand. Weil die Landesregierung ihren Gäste in der Staatskanzlei aus Geldmangel Leitungswasser servieren wollte, hatte die CDU großzügig einige Kästen Sprudel gespendet. Das Pfand für die Kästen sei die Union aber schuldig geblieben, so Löhrmann.  Selbst vor dem eigenen Publikum konnte die Politikerin mit solchen Sprüchen kaum punkten – oder gar von der katastrophalen finanziellen Lage NRW’s ablenken. Da half auch nicht ihr Hinweis auf Finanzminister Norbert-Walter-Borjans (SPD), den sie als „kölschen Robin-Hood“ für dessen Ankauf von Steuer-CD’s  lobte. Alles schon gehört, alles nichts Neues.

Aber um NRW ging es bei der Veranstaltung der Landesgrünen offensichtlich gar nicht. Thema war vor allem die Kölner OB-Kandidatin Henriette Reker, die parteilose Sozialdezernentin der Stadt, die auf grünem Ticket mit Hilfe von CDU und FDP gegen den SPD-Kandidaten Jochen Ott antreten will. Sie wurde am Mittwoch als „Überraschungsgast“ vorgestellt –  in der Einladung der Grünen war sie indes schon vor einer Woche angekündigt worden. Überraschend war allerdings Rekers kurzes Statement vor den Grünen. Es gebe in Köln bereits gute Beschlüsse, etwa zur Flüchtlingspolitik, aber sie habe „in der Verwaltung nicht den nötigen Rückhalt“ gehabt. Aus dem Mund einer Dezernentin, die schließlich zur Verwaltungsspitze gehört, klingt dies bemerkenswert. Wenn es wirklich nur an anderen in der Verwaltung lag, warum hat sie dann nicht öffentlich wirksam für ihre Ziele gekämpft? Und warum hat man von ihren Problemen bislang nie etwas erfahren?

Die sehr starke kabarettistische Vorstellung von Fatih Cevikkollu im Beiprogramm der Grünen, der dem Publikum eine Lektion in Sachen Mitmenschlichkeit und gegenseitigem Respekt subkutan vermitteln wollte, geriet unfreiwillig am Ende zu einem Lehrstück, wie die Grünen mit ihrem Wunsch-Koalitionspartner im Rathaus auf offener Bühne derzeit umgehen. Im Dialog mit dem Publikum fragte  der Kabarettist, wie man einen „fiesen Möpp“ denn auf Hochdeutsch bezeichne. „Elender Hund“, kam es da aus dem Publikum. Ein anderer Zuschauer hielt den Begriff „Jochen Ott“ für treffender. Ein wenig stutzte Cevikkollu, meinte, „Ott“ würde auf türkisch etwa „Gras“ bedeuten und wenig schmeichelhaft in diesem Zusammenhang sein. Auch da wusste einer aus dem Publikum spontan eine Übersetzung: „Stroh dumm“. Der Kabarettist schien verwundert.

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