NRW-Studie: Bäcker werfen wöchentlich 2,7 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll

Düsseldorf (tu) – Waren im Wert von durchschnittlich 15.700 Euro landen pro Woche pro Bäckereibetrieb im Müll. In Mengen ausgedrückt macht das rund 2,7 Tonnen an Brot und Backwaren aus, die wöchentlich pro untersuchtem Bäckereibetrieb zu viel produziert und dann entsorgt werden müssen. Dazu gehören vor allem Brot- und Backwaren aus den einzelnen Bäckereifilialen, die zurück zur Produktionsstätte gegeben werden. Verbraucherschutzminister Johannes Remmel mahnt zur Umkehr.

„Lebensmittel gehören nicht in den Müll, sondern auf den Tisch. Solche Mengen genießbarer Lebensmittel zu vernichten ist auch mit Blick auf die Welternährungssituation ethisch nicht vertretbar“, erklärte Verbraucherschutzminister Johannes Remmel. „Die Ergebnisse unserer ersten NRW-Studie haben uns veranlasst, genauer hinzusehen und nach ganz konkreten Lösungswegen für den Brot- und Backwarenbereich zu suchen.“

Erhoben wurden die Ergebnisse durch ein kürzlich abgeschlossenes Projekt der Fachhochschule Münster, welches vom Verbraucherschutzministerium NRW gefördert wurde. Untersucht wurden insgesamt fünf handwerkliche Bäckereibetriebe aus dem Münsterland und eine Bäckerei aus Hilden, die sich zur Teilnahme am Projekt bereit erklärt hatten. Die erhobenen Daten ergeben einen Annäherungswert und sind nicht repräsentativ. Schon bei der ersten NRW-Studie zum Thema Lebensmittelverschwendung aus dem Jahr 2012 wurde deutlich, dass enorme Mengen an Lebensmitteln auf dem Müll landen.

„Unsere Handwerksbäckereien backen gute Brote, sammeln aber häufig keine Zahlen, wie viel davon in der Auslage liegen bleibt,“ erläuterte der Forschungsleiter der FH-Münster, Professor Dr. Guido Ritter. „Alleine schon das Messen in den Bäckereien, mit denen wir zusammengearbeitet haben, führte zu einer Verbesserung der Prozesse und zu weniger Ausschuss und Retouren.“

Die Forscherinnen und Forscher um Professor Dr. Guido Ritter von der Fachhochschule Münster hatten in den vergangenen zwei Jahren die Prozesse in Bäckereien untersucht, Verbesserungsvorschläge entwickelt und umgesetzt. Auch die Kommunikation zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern wurde analysiert und neue Kommunikationsideen entwickelt.

Remmel: „Das Projekt kann als wichtiges und zielführendes Beispiel für unsere weitere Vorgehensweise dienen. Mit einer gut abgestimmten Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind wir auf einem erfolgversprechenden Weg, fundierte Lösungskonzepte zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung zu finden.“ Laut Minister Remmel zeigen die Ergebnisse zudem, dass ein stärkerer Fokus auf Qualität statt auf reine Quantität gelegt werden sollte: „Morgen am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Ein aus meiner Sicht guter Zeitpunkt, um sich die Bedeutung unserer Lebensmittel wieder ins Bewusstsein zu rufen und wertschätzend mit ihnen umzugehen. Langfristig kann nur eine Orientierung weg von der Quantität und damit verbundenen übermäßigen Vielfalt, hin zu mehr Qualität der Produkte eine Steigerung der Wertschätzung von Brot und Backwaren bewirken. Damit lassen sich dann auch Lebensmittelabfälle vermeiden, da das Bewusstsein geschärft und der Wert unserer Lebensmittel gesteigert wird.“

Tags: , ,

Comments are closed.