Studie: Immer mehr Menschen droht in NRW Verlust der Wohnung

Düsseldorf (lt) – Der drohende Verlust der Wohnung wird für eine steigende Zahl von Bürgerinnen und Bürgern in Nordrhein-Westfalen zum Problem. Dies geht aus einer Studie der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung (GISS) Bremen hervor, die den Mitgliedern des Landtags-Sozialausschusses vorgestellt wurde. Demnach sind vor allem alleinstehende Männer von Wohnungslosigkeit bedroht. Überraschend hoch sei auch der Anteil von jungen Menschen unter 25 Jahren.

Laut der Studie, die im Auftrag des NRW-Sozialministeriums erstellt wurde, nahm die Zahl der von Wohnungslosigkeit bedrohten Haushalte in den Jahren 2007 bis 2012 landesweit um zehn Prozent zu. Im Jahr 2012 waren insgesamt rund 53.000 Haushalte von Wohnungslosigkeit bedroht, wie Dr. Ekke-Ulf Ruhstrat, einer der beiden Autoren der Studie, erläuterte – und damit mindestens 90.000 bis 100.000 Menschen. Die höchsten Zuwächse verzeichneten dabei mittelgroße Städte mit 25.000 bis 100.000 Einwohnern. Das Problem ist allerdings am größten in den kreisfreien Städten des Landes an Rhein und Ruhr, angeführt von Gelsenkirchen und Dortmund.

Fast 60 Prozent sind Alleinstehende ohne Kinder, wobei Männer deutlich häufiger betroffen sind als Frauen, wie Mitautor Dr. Volker Busch-Geertsema betonte. Das Gros sei zwischen 25 und 60 Jahre alt. Die meisten davon bezögen Hartz IV; rund zehn Prozent verfügen über ein Erwerbseinkommen. Unmittelbarer Anlass für den drohenden Verlust der Wohnung in fast 90 Prozent der Fälle: Mietschulden.

Als “relativ besorgniserregend” bezeichnete Busch-Geertsema den “überraschend” hohen Anteil von Menschen unter 25 Jahren an den von Wohnungslosigkeit Bedrohten. Hier gebe es Handlungsbedarf; ihre Zahl steige. Bei dieser Gruppe eskalieren laut der Studie häufig Konflikte im Elternhaus. Die zuständigen Präventionsstellen erhielten aber in den meisten Fällen gar keine Kenntnis von den Problemen, weil die Betroffenen zunächst bei wechselnden Bekannten oder Freunden unterkämen. Das System der öffentlichen Hilfe greife in der Regel erst, wenn die Personen tatsächlich wohnungslos seien. Hier seien “neue Wege” nötig, um frühzeitig intervenieren und helfen zu können.

Um Wohnungslosigkeit vermeiden zu können, empfehlen die beiden Forscher insbesondere ein koordiniertes Vorgehen von Kommunen, Jobcentern, Freien Trägern der Wohlfahrtspflege und der Wohnungswirtschaft. Wichtig sei auch die Information: Laut der Studie erhalten die zuständigen Stellen nur bei etwas weniger als der Hälfte der Fälle frühzeitig Kenntnis von bedrohten Wohnverhältnissen. Bei der Mehrheit geschehe dies erst, wenn die Mitteilungspflichten von Amtsgerichten und Gerichtsvollziehern griffen.

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