Posts Tagged ‘Rheinische Post’

Rheinische Post: Detlev Hüwel kommentiert zu höheren Elternbeiträgen an Kitas

Sonntag, Mai 17th, 2015

Düsseldorf (EB) – Vielerorts geht der Streik in den städtischen Kitas heute in die zweite Woche. Den Eltern, vor allem den Alleinerziehenden, wird zwar viel Geduld und Organisationsgeschick abverlangt, aber noch scheint das Verständnis für das Anliegen der Erzieherinen zu überwiegen. Die wollen, dass ihre Tätigkeit finanziell aufgewertet wird. Tatsächlich leisten sie in den Kitas extrem wichtige Arbeit, da die ersten Lebensjahre prägend sind für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. SPD-Chef Sigmar Gabriel fordert jetzt eine bessere Bezahlung der Erzieherinnen. Woher das Geld kommen soll, sagt er nicht. Das nennt man Populismus. Fakt ist: Vielen Städten steht das Wasser bis zum Hals. Deutlich höhere Entgelte fürs Kita-Personal können sie aus eigener Kraft nicht stemmen. Entweder muss das Land einspringen, oder aber – was nicht auszuschließen ist – die Elternbeiträge werden spürbar erhöht. Derzeit decken sie nur zu etwa 15 Prozent die laufenden Kosten ab. Wenn am Ende des Kita-Streiks höhere Beiträge stünden, wären die Eltern die Gekniffenen.

Rheinische Post: Schreckgespenster im Kohle-Revier – Kommentar von Birgit Marschall

Mittwoch, April 1st, 2015

Düsseldorf (EB) – Klimaschutz gibt es nicht umsonst. Nicht für die Energiekonzerne, nicht für ihre Beschäftigten und schon gar nicht für die Stromverbraucher. Das wird jetzt wieder in der Kohlepolitik deutlich. Der von der Bundesregierung geplante zusätzliche Klimabeitrag für ältere Kohle-Kraftwerke wird zu geringen neuen Kostenbelastungen führen, die auch Auswirkungen auf Strompreise und Arbeitsplätze haben könnten. Allerdings werden wie immer in der Energiepolitik Schreckgespenster erfunden und für die eigenen Zwecke instrumentalisiert. Die Reduktion der jährlichen Treibhausgas-Emissionen der Kraftwerke um sechs, sieben Prozent bis 2020 ist möglich und für ein Hochtechnologieland unproblematisch. Wir können uns das leisten. Es wird in den Kohle-Revieren deshalb nicht zum Kahlschlag kommen. Die Stilllegung oder Leistungsbegrenzung der ältesten und umweltschädlichsten Meiler ist seit Jahrzehnten überfällig. Nun geht Wirtschaftsminister Gabriel mit einem Gesprächsangebot auf seine zahlreichen Kritiker zu. Er schielt dabei auch auf die SPD-Wähler unter den Beschäftigten. Gespräche sind immer gut, doch sie machen die Dinge meistens teurer. Bezahlen werden das, natürlich, Stromverbraucher und Steuerzahler.

Rheinische Post: Landeselternschaft der Gymnasien in NRW kündigt Reformkompromiss zum “Turbo-Abi” auf

Sonntag, März 22nd, 2015

Düsseldorf (EB) – Kehrtwende bei den Gymnasial-Eltern in Nordrhein-Westfalen: Der neue Vorsitzende der Landeselternschaft, Ulrich Czygan, hat den achtjährigen Bildungsgang (G8) heftig kritisiert. “Das derzeitige System überfordert zahlreiche Kinder”, sagte Czygan der in Düsseldorf erscheinenden “Rheinischen Post” (Samstagausgabe): “Wir sollten den Eltern ganz deutlich klarmachen, was G8 bedeutet: weniger Zeit für die Vertiefung der Lerninhalte, weniger Zeit für Hobbys.” Czygan forderte die Möglichkeit, häufiger acht- und neunjährige Bildungsgänge unter einem Dach zu organisieren: “In Nordrhein-Westfalen sollte auf jeden Fall an deutlich mehr Schulen G8 und G9 parallel angeboten werden. Rückmeldungen von Schulen, die ein solches Modell haben, zeigen, dass das geht.” Sinnvoll sei es zum Beispiel, sagte Czygan, “pro Jahrgang eine G8-Turboklasse einzurichten und den Rest in G9 laufenzulassen”. Die Landeselternschaft stellt sich damit gegen die Beschlüsse des runden Tischs, den NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) einberufen hatte. Das Gremium aus Politikern, Wissenschaftlern, Eltern, Lehrern und Schülern hatte im November mehrheitlich eine Parallel-Lösung verworfen; auch die Landeselternschaft stimmte damals gegen eine Rückkehr zu G9. Czygan sagte zu seinem Vorstoß: “Das widerspricht zwar den Empfehlungen des runden Tischs, aber es ist die Meinung der Mehrheit der Eltern. Wenn wir wirklich Schule von unten nach dem Willen der Eltern und Kinder machen wollen, müssen wir ihnen wieder besser zuhören.”

Rheinische Post: Kraft – die Nummer eins – Kommentar von Detlev Hüwel

Sonntag, September 28th, 2014

Düsseldorf (EB) – Hannelore Kraft ist die unangefochtene Nummer eins der nordrhein-westfälischen SPD. Das hat der Kölner Parteitag am Wochenende deutlich gezeigt. Dort wurde die populäre Mülheimerin mit über 95 Prozent für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt. Ein hervorragendes Ergebnis, auch wenn es ihr persönlich schwächstes ist. Dieser Rückhalt stärkt die Ministerpräsidentin, macht ihr die Alltagsarbeit allerdings nicht leichter. Sie sei stolz auf das, was erreicht worden sei, rief Kraft den friedlich gestimmten Delegierten zu und betonte, sie habe “so einen Spaß, dieses Land zu gestalten”. Ein etwas sonderbares Bekenntnis: Bei 3,2 Milliarden Euro neuen Schulden in diesem Jahr sollte eigentlich der Spaß aufhören, zumal es zum Gestalten längst keinerlei Spielraum mehr gibt. Kraft hat auf dem Parteitag zudem versucht, sich aus der “Funkloch-Affäre” zu ziehen, indem sie zur Attacke auf die Opposition überging. Doch damit dürfte das Thema nicht vom Tisch sein. Ihre Glaubwürdigkeit hat durch die sich widersprechenden Erklärungsversuche einen Knacks bekommen.

Rheinische Post: Kraft begnügt sich in NRW mit Mittelmaß – Kommentar von Martin Kessler

Samstag, September 13th, 2014

Düsseldorf (EB) – Als zupackende, mitfühlende und sozial engagierte Regierungschefin mit schnoddriger Ruhrgebietssprache hat Hannelore Kraft die Herzen der NRW-Bürger erobert. Wenn sie keine entscheidenden Fehler macht, dürfte sie 2017 wiedergewählt werden, wahrscheinlich als Chefin einer rot-grünen Landesregierung. Wenn sie jetzt erklärt, ihr Platz sei weiterhin in Nordrhein-Westfalen, macht sie das in den Augen der Wähler nur sympathischer. Zugleich verrät sie eine gesunde Einschätzung ihrer Position. Denn sie verzichtet auf eine Bundeskarriere – als Kanzlerkandidatin oder als mögliche Bundespräsidentin. Auch das dürfte ihr angerechnet werden. Sie bleibt eben bodenständig und regional verwurzelt. Diese persönlichen Vorzüge dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Regierungschefin für ihr Land mit Mittelmaß zufrieden ist. Ob Pro-Kopf-Einkommen oder schulische Leistungen, ob Hochschulniveau oder Hightech-Industrie, NRW hat nirgends eine Führungsrolle. Sachsen als hoffnungsvollstes Aufsteigerland aus dem Osten orientiert sich an Baden-Württemberg und Bayern, nicht an NRW. Das ist schade. Aber vielleicht will es eine Mehrheit im Lande auch so.