Posts Tagged ‘Kohle’

Rheinische Post: Schreckgespenster im Kohle-Revier – Kommentar von Birgit Marschall

Mittwoch, April 1st, 2015

Düsseldorf (EB) – Klimaschutz gibt es nicht umsonst. Nicht für die Energiekonzerne, nicht für ihre Beschäftigten und schon gar nicht für die Stromverbraucher. Das wird jetzt wieder in der Kohlepolitik deutlich. Der von der Bundesregierung geplante zusätzliche Klimabeitrag für ältere Kohle-Kraftwerke wird zu geringen neuen Kostenbelastungen führen, die auch Auswirkungen auf Strompreise und Arbeitsplätze haben könnten. Allerdings werden wie immer in der Energiepolitik Schreckgespenster erfunden und für die eigenen Zwecke instrumentalisiert. Die Reduktion der jährlichen Treibhausgas-Emissionen der Kraftwerke um sechs, sieben Prozent bis 2020 ist möglich und für ein Hochtechnologieland unproblematisch. Wir können uns das leisten. Es wird in den Kohle-Revieren deshalb nicht zum Kahlschlag kommen. Die Stilllegung oder Leistungsbegrenzung der ältesten und umweltschädlichsten Meiler ist seit Jahrzehnten überfällig. Nun geht Wirtschaftsminister Gabriel mit einem Gesprächsangebot auf seine zahlreichen Kritiker zu. Er schielt dabei auch auf die SPD-Wähler unter den Beschäftigten. Gespräche sind immer gut, doch sie machen die Dinge meistens teurer. Bezahlen werden das, natürlich, Stromverbraucher und Steuerzahler.

Kommentar: Wie „Bild“-Redakteure sich zu helfen wissen

Dienstag, März 24th, 2015

Da sage noch einer, die “Bild”-Zeitung recherchiere nicht sorgfältig und achte nicht penibel auf ihre Quellen. Eine Acht-Zeilen-Meldung von heute („Laschet gegen Kohleausstieg“) belegt genau das Gegenteil. Eine Nachricht steht in der Überschrift, wie sich das gehört. Aber war dies die eigentliche Botschaft? Dass CDU-Chef Laschet sich schützend vor den Braunkohle-Tagebau stellt, war bereits in der vergangenen Woche in einer Presseerklärung der NRW-CDU zu lesen. Neu ist jetzt allerdings, dass der Bild-Redakteur im WDR vernommen hat, dass dpa vermeldet hat, dass Laschet gesagt habe, die vom Bundeswirtschaftsminister geplante Klimaschutzabgabe sei „ein Verstoß gegen den Koalitionsvertrag“. Alles klar? Natürlich nicht.

Wenn „Bild“ über diese Aussage Laschets seriös hätte berichten wollen, hätte es nicht des Umwegs über WDR und dpa bedurft („schreibt laut WDR die dpa“). Der Redakteur hätte schlicht Laschet oder seinen Pressesprecher anrufen können. Der hätte ihm dann schon gesagt, was Sache ist. Aber die Nachricht in „Bild“ ist womöglich eine ganz andere: Das Boulevard-Blatt will offenbar derzeit nicht direkt auf Meldungen der Deutschen Presseagentur zurückgreifen. Vielleicht hätte das in der Überschrift stehen sollen. (tu)