Was Alfred Neven DuMont vielleicht besser gemacht hätte – Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und die Sozis in Köln

 

 

Martin Börschel  Bild: Tutt

Martin Börschel
Bild: Tutt

Henriette Reker, Bild: Tutt

Henriette Reker, Bild: Tutt

Von Heinz Tutt

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) verstrickt sich immer tiefer in die Affäre um die Besetzung des Vorstands der Kölner Stadtwerke AG. Als selbsternannte Jeanne d’Arc der Kölner Politik will sie in letzter Minute einen – wie sie sagte – schlimmen Rückfall in alte Klüngel-Politik verhindert haben, mit dem der SPD-Politiker Martin Börschel auf den lukrativen Stadtwerke-Posten gehievt werden sollte. In der Presse aber wird mittlerweile angezweifelt, ob Reker tatsächlich die volle Wahrheit sagte, als sie Martin Börschel als künftigen Stadtwerke-Geschäftsführer ausbremste.

Um es klar zu sagen: nicht nur nach Ansicht des Autors wäre Börschel ein geeigneter Kandidat im Stadtwerke-Vorstand. Er besitzt die Intelligenz und Durchsetzungskraft, um das Unternehmen zugunsten Kölns auf wichtige Zukunftsaufgaben vorzubereiten. Die Empörung über das angedachte Gehalt geht leider an der Sache vorbei. Die Devise hieß vielmehr: Verleumde nur heftig, irgend etwas wird hängenbleiben. Es geht hier um die öffentliche und unangemessene Diffamierung eines Politikers, der sich lokale Medien angeschlossen haben.

Dem Politiker Börschel kann man viele Fehler vorwerfen. Er ist zurückhaltend und öffentlichkeitsscheu, keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Seine Kandidatur vermochte er nicht geeignet zu kommunizieren. Er ist auch risikoscheu, möchte nicht verlieren, etwa wenn es darum geht, als OB-Kandidat anzutreten. Er steht aber auch in vielen Feldern für Transparenz. Er macht seine gesamten Einnahmen öffentlich – wer macht das sonst in der Kölner Politik? Er ist also nicht der klandestine Klüngler, als der er jetzt hingestellt wird. Und je mehr über den Vorgang Stadtwerke bekannt wird, desto mehr wird deutlich, dass es in der Politik eine vergleichsweise große Kenntnis gab – weit über den Aufsichtsrat hinaus. Nur die Oberbürgermeisterin will nichts gewusst haben.

Davon abgesehen: Die Qualifikation des Kandidaten Börschel steht bis tief in die CDU außer Frage. Fernab von politischen Ränkespielen gibt es große Einigung darüber, dass Börschel die neue Position im Stadtwerke-Konzern bestens ausfüllen würde. Aber rationale Erwägungen werden von einer medial hyperventilierenden Berichterstattung weitgehend verhindert. Schließlich ist Henriette Reker mit dem Rückenwind der Zeitungen des MDS-Medienkonzerns ins Amt geweht worden und es wäre schmerzhaft, wenn sich die OB als Luftnummer erweisen würde. Die weitgehend kritikfreie Berichterstattung über Reker ist umso seltsamer, als Akteure in der Kommunalpolitik sehr zu schätzen sind.

Aus Börschels Plänen wird wohl nichts – zum Nachteil der Stadt Köln. Börschel, als Intrigant dargestellt, der alles verloren hat – seine wichtige Position in Düsseldorf und seine Möglichkeiten in Köln, kann aus eigener Kraft kaum noch etwas bewirken.

Es wäre aber falsch, Börschel nur Fehlverhalten vorzuhalten. Für den Insider: Er hat entscheidend dazu beigetragen, dass in Düsseldorf bei der Fraktionsvorstands-Wahl eine demokratische Entscheidung für den ansonsten aussichtslosen Kandidaten Kutschaty möglich wurde. Und auch in Köln hat er den Weg in der Fraktion nach vielen Jahren frei gemacht, anders, als viele womöglich dachten.

Börschel hat bei seiner Karriereplanung Fehler in der Kommunikation gemacht. Da werden Grundgehältern von Zeitungen gerne bis ins Doppelte katapultiert. „Bis zu 500.000“, heißt es immer wieder in der Berichterstattung.

Über Gehälter muss man reden. Nicht aber über Qualifaktionen und Aufgaben in der öffentlichen Daseinsvorsorge. Wenn ein Politiker sein Geld wert ist, profitiert auch der Bürger. Fernab von jeder Neiddebatte. Schade eigentlich, dass sich ein Mensch wie Börschel von solchen Erkenntnissen nichts kaufen kann. Er ist Opfer einer Entwicklung in der Kölner Tagespresse, die selbst Altvater Alfred Neven DuMont verwundert hätte: Alfred, wie ihn seine Bewunderer und Freunde gerne nannten, wollte selbst Sozis in der Kommunalpolitik am liebsten auf Augenhöhe. Er konnte damit persönlich und publizistisch souverän umgehen, machte sich sogar einen Spaß daraus. Was heute passiert, ist nicht auf Augenhöhe, vielleicht unter der Gürtellinie.

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