Schlechte Aussichten für Ausbildungsbewerber in Nordrhein-Westfalen

Gütersloh (EB) – Die Ausbildungsperspektiven für Jugendliche in Nordrhein-Westfalen haben sich in den vergangenen Jahren zwar leicht verbessert. Aber in keinem anderen Bundesland bleiben so viele Bewerber erfolglos. Hauptschüler und Jugendliche ohne deutschen Pass haben es besonders schwer, in Ausbildung zu kommen, ist das Fazit einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung.

In Nordrhein-Westfalen war bis 2016 sowohl das Ausbildungsangebot der Betriebe als auch die Ausbildungsnachfrage der Jugendlichen rückläufig. 2016 wurden gut 13.000 weniger duale Ausbildungsplätze von Betrieben angeboten als noch 2007. Noch stärker – um gut 25.000 – ist im gleichen Zeitraum die Zahl der Bewerber zurückgegangen. Damit entspricht die Entwicklung in NRW in etwa dem bundesweiten Trend. Jüngste Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung zeigen, dass 2017 bundesweit wieder etwas mehr dual ausgebildet wird – so auch in NRW.

Da die Nachfrage stärker sank als das Angebot hat sich die Situation für Ausbildungssuchende in NRW verbessert. Im Jahr 2007 standen rechnerisch je 100 Bewerbern nur 83 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Im Jahre 2016 waren es 88. Damit liegt NRW deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 94. Innerhalb Nordrhein-Westfalens bestehen allerdings deutliche Unterschiede. In Meschede und Soest war das Verhältnis von Angebot und Nachfrage 2016 nahezu ausgeglichen: 100 Bewerbern standen 97 Ausbildungsplätze gegenüber. Deutlich weniger Ausbildungsplätze standen in Oberhausen (79), Recklinghausen (80) und Hagen (80) pro 100 Bewerbern zur Verfügung. Zu diesen Ergebnissen kommt der „Ländermonitor berufliche Bildung 2017“ des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) und der Abteilung Wirtschaftspädagogik der Universität in Göttingen, der von der Bertelsmann Stiftung gefördert wurde.

Betriebe und Azubis finden sich nicht

Insgesamt blieben in NRW 17 Prozent der Ausbildungsbewerber erfolglos, so viele wie in keinem anderen Bundesland. Gleichzeitig gelingt es immer weniger Betrieben, passende Auszubildende zu finden. 2016 konnten knapp 7.000 Ausbildungsplätze (6 Prozent des Angebots) nicht besetzt werden, mehr als doppelt so viel wie noch 2007. Diese Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt entstehen, wenn Ausbildungen in Berufen angeboten werden, für die sich wenige Bewerber interessieren oder das Ausbildungsangebot in attraktiven Berufen nicht ausreicht. In NRW übersteigt das Angebot die Nachfrage etwa im Hotel- und Gaststättengewerbe oder im Lebensmittelhandwerk. Dagegen reicht das Ausbildungsangebot in den gewerblich-technischen Berufen oder bei den medizinischen Fachangestellten nicht aus. In Flächenländern kommt noch ein geographischer Faktor hinzu: offene Ausbildungsstellen und erfolglose Bewerber befinden sich möglicherweise nicht in der gleichen Region.

Hauptschüler haben es auf dem Ausbildungsmarkt schwer

Obwohl sich die Lage für Bewerber verbessert hat und Stellen unbesetzt bleiben, profitieren Hauptschüler davon kaum. Im Jahr 2015 gelang es nur 48 Prozent der nordrhein-westfälischen Schulabgänger mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss, direkt eine Ausbildung aufzunehmen. 52 Prozent wechselten zunächst in eine der zahlreichen Maßnahmen des Übergangssystems, in denen kein Berufsabschluss erworben werden kann. Das entspricht fast dem bundesweiten Durchschnitt von 51 Prozent.

Jugendliche mit Hauptschulabschluss aber ohne einen deutschen Pass nehmen in NRW zu 62 Prozent zunächst eine Maßnahme des Übergangssystems auf und damit deutlich häufiger als ihre deutschen Altersgenossen (44 Prozent). Die schlechteren Ausbildungschancen ausländischer Jugendlicher sind in NRW besonders problematisch, denn fast jeder dritte Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 hat hier einen Migrationshintergrund. Jeder zehnte dieser Gruppe ist nicht in Deutschland geboren. Die Gruppe der seit 2015 nach Deutschland zugezogenen Schutz- und Asylsuchenden sind in diesen Werten noch nicht enthalten.

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich dafür ein, jedem jungen Menschen die Chance auf einen Berufsabschluss zu eröffnen. Dafür fordert sie bessere ausbildungsbegleitende Unterstützung für kleine Betriebe und Azubis, eine intensivere berufliche Orientierung während der Schulzeit sowie eine Ausbildungsgarantie in Form von staatlich geförderten Ausbildungsplätzen für Jugendliche, die bei der Suche erfolglos bleiben.

Zusatzinformationen

Das Forschungsprojekt „Ländermonitor berufliche Bildung 2017“ des soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI – Prof. Baethge) und der Abteilung für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung der Universität Göttingen (Prof. Seeber) wird von der Bertelsmann Stiftung gefördert. Es untersucht die Situation in den drei Sektoren der beruflichen Bildung (duales System, Schulberufssystem und Übergangssystem) in den 16 Bundesländern vergleichend und im Zeitverlauf. Für das Projekt wurden vorhandene Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung, der Bundesagentur für Arbeit und der statistischen Ämter des Bundes und der Länder ausgewertet sowie Dokumente zu Berufsbildungspolitik aus den Bundesländern analysiert. Schutz- und Asylsuchende, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, werden in den vorliegenden Zahlen noch nicht aufgeführt. Ergänzender Hinweis: Am 13.12. hat das Bundesinstitut für Berufsbildung Zahlen zur Entwicklung im Teilbereich duale Ausbildung im Jahr 2017 vorgelegt. Diese sind im Ländermonitor noch nicht berücksichtigt.

 

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