100 Tage schwarz-gelbe Schulpolitik in NRW – VBE: Gegen Lehrermangel gibt es bisher nur Notlösungen

Düsseldorf (EB) – „Wir begrüßen, dass die Landesregierung bildungspolitisch entscheidende Themen wie Inklusion, Umsetzung von G9, Behebung des Lehrermangels und Unterrichtsausfall direkt auf die Tagesordnung gesetzt hat. Die geplante verschärfte Erfassung des Unterrichtsausfalls wird allerdings mit Blick auf den bestehenden Lehrermangel eine Maßnahme ohne Wirkung bleiben und dient allenfalls zur Beruhigung der Öffentlichkeit. Aktuelle Maßnahmen zum Lehrermangel, wie Seiteneinstieg, sind zudem nur Notlösungen. Vor diesem Hintergrund sind eine zeitnahe Ausweitung der Studienkapazitäten und eine gleiche Besoldung aller Lehrkräfte unabdingbar. Ohne die gerechte Besoldung wird die geplante Einstellungsoffensive keinen Erfolg haben. Nicht nachvollziehbar ist für uns, dass der Fehler der alten Landesregierung, die Konrektorinnen und Konrektoren bei der Anhebung der Schulleiterbesoldung zu vergessen, nicht korrigiert wurde“, erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW, anlässlich des morgigen Stichtags der ersten 100 Tage des neugewählten Ministerpräsidenten. Eine gerechte Besoldung würde aus Sicht des VBE nicht nur helfen, mehr Menschen für das Lehramt Grundschule zu begeistern, sondern sich auch auf die aktuelle Maßnahme des Schulministeriums auswirken, die vorsieht, Sek II-Lehrkräfte zeitlich befristet mit Stellengarantie an die Grundschulen zu locken. „Statt nach zwei Jahren zu wechseln, würden einige Lehrerinnen und Lehrer durch eine Anpassung der Besoldung vielleicht an der Grundschule verbleiben“, erklärt Beckmann.

Für die Umsetzung von Inklusion braucht NRW mehr Fachpersonal. „Wir begrüßen den Erlass zum Erhalt der Förderschulen, da hierdurch Eltern eine Wahlfreiheit ermöglicht wird. Das Parallelsystem von Regel- und Förderschule braucht allerdings ausreichend Personal, um die gleiche Qualität an sonderpädagogischer Förderung gewährleisten zu können. Wir fordern für inklusive Lerngruppen an Regelschulen eine Doppelbesetzung sowie Unterstützung durch multiprofessionelle Teams“, so Beckmann.

Die Umsetzung von G9 führt zu mehr Klassen und damit zu größerem Bedarf an Lehrkräften. Udo Beckmann: „Es müssen zeitnah Antworten gefunden werden, wie G9 personell geleistet werden kann. Wir begrüßen, dass die Landesregierung hierzu Gespräche mit den Gewerkschaften führt und an der geplanten Umsetzung zum Schuljahr 2019/2020 festhält, damit ist die Landesregierung auf einem guten Weg, die Fehler bei der Einführung von G8 nicht zu wiederholen. Die aktuellen schulpolitischen Baustellen sind eng verknüpft mit der Herausforderung der Lehrerversorgung. Es bedarf einer vorausschauenden Personalplanung, die immer wiederkehrenden Wechsel von Zeiten des Lehrermangels und Lehrerüberhangs vermeidet. Aber es sind ja erst 100 Tage vergangen, bleiben noch 1725 Tage, um Antworten auf die offenen Fragen zu finden.“

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