Ein Idiot mit Präsidentenamt ist immer noch ein Idiot

Von Roland Appel

Wie das Kaninchen auf die Schlange hat die Weltpresse gestern auf das Weiße Haus gestarrt, was der Hausherr zum Klimaabkommen von Paris absondern würde. Wie erwartet, erklärte Trump begleitet von einer theatralischen Litanei, dass er, der Tag und Nacht für das Wohl des amerikanischen Volkes arbeite, nun den Austritt aus dem Klimaabkommen von Paris erkläre, denn er sei nicht von Paris, sondern von Pittsburgh gewählt worden. Der Bürgermeister von Pittsburgh verbat sich umgehend die Berufung auf seine ökologisch fortschrittliche Stadt. Die USA seien durch das Abkommen unfair benachteiligt, jammerte der Präsident des Landes, das jahrzehntelang nahezu allein über ein Drittel der Energievorräte der Erde verbraucht hat und dessen Automobilindustrie seit 30 Jahre vor Tesla nichts außer spritfressenden SUVs zustande gebracht hat. Die USA haben kumuliert allein mehr als ein Viertel des Gesamtausstoßes von CO² des Planeten zu verantworten. Alternative Fakten lassen grüßen.

Wichtige amerikanische Konzerne von Google über Starbucks bis zu Exxon Mobile haben versucht, ihn von einem Schritt abzubringen, der die amerikanische Wirtschaft vom Fortschritt abkoppelt. Was bedeutet dieser Schritt? Erst einmal gar nichts. Außer, dass eine US-Kohleindustrie, die mit hinterwäldlerischen Methoden Bäume sprengt, um anschießend im Tagebau Kohle abzubauen und eine Wüste zu hinterlassen, ganze Landstriche im Landesinneren der USA weiter zerstören wird – ohne Aufforstung oder Rekultivierung, wie wir sie vom Braunkohletagebau kennen. Die USA können sich gar nicht von heute auf morgen verabschieden, ein Aufkündigungsprozess wird bis mindestens 2020 dauern. Donald Trump scheint dies nicht zu stören, denn Dossiers oder Regierungsvorlagen zu lesen und zu verstehen, soll seine Stärke nicht sein. Gegen Bildungsverweigerung hilft auch kein Präsidentenamt – mögen Mitarbeiter die Vorlagen noch so liebevoll und in einfacher Sprache aufbereiten. Ein Idiot mit Amt ist halt immer noch ein Idiot.

Modernere Firmen der USA treibt eine reale Furcht um, denn die Entscheidung Trumps bringt sie für die Wirtschaft der USA nur Nachteile: Unternehmen brauchen Planungssicherheit – auch die Energiebranche. Weder Exxon noch andere Unternehmen, die den globalen Wandel verstehen und internationalem Wettbewerb ausgesetzt sind, können sich ein Zurück ins 19. Jahrhundert leisten. Niemand wird wegen eines idiotischen Energiekonzepts neue Kohlekraftwerke bauen, die eine Investition für 40-50 Jahre bedeuten. Denn nach spätestens acht Jahren wird der Trump-Spuk vorbei sein. Die Erde ist dann wahrscheinlich auch für das Weiße Haus keine Scheibe mehr. Zwischenzeitlich hat jedoch die Wirtschaft in USA eine gute Chance, den Wandel zu Effizienztechnologien, Elektromobilität, Robotik oder Industrie 4.0 zu verschlafen. Ja, es kann sein, dass ein paar tausend Arbeitsplätze in den Appalachen in den alten Industrien wieder entstehen. Aber nachhaltig ist das nicht und wettbewerbsfähig auch nicht. Das wissen die Städte und Staaten wie Kalifornien oder New York auch. In Kalifornien boomen neue Antriebs- und Mobilitätskonzepte und Energiespartechniken und auch New York erzeugt heute schon fast 30% seiner Energie regenerativ. Wäre es nicht so fatal für den Planeten, wir alle, Europa und China, Indien und sogar Südamerika könnten uns freuen, dass wir demnächst wirtschaftlich und ökologisch die Nase vor den USA vorn haben werden. Dank Donald Du…äh, Trump.

Die Chinesen werden schon aus Selbstzweck im Klimaschutz vertragstreu sein, das Soll überzuerfüllen. Indien kann 1,2 Mrd Menschen nur zu mehr Wohlstand führen, wenn es dabei die Klimaschutzziele einhält. Jetzt kommt es auf Europa an und da vor allem auf Deutschland und Frankreich. Aber Deutschland hat aufgrund der Politik der Großen Koalition die selbst gesteckten Klimaziele bei Weitem nicht erreicht. Um das Ziel des Bundestages, bis 2020 die Immissionen um 40% zu reduzieren wirklich zu erreichen, muss die kommende Bundesregierung in drei Jahren nun 14% der geplanten Einsparungen aufholen. Wenn das kein Grund ist, die Unverzichtbarkeit der Grünen zu unterstreichen? Sie sind nun gefordert, einen Weckruf an die Gesellschaft zu senden, damit die satte Zufriedenheit der GroKo so nicht weiter geht und auch kein rückwärtsgewandtes Schwarz-Gelbes Bündnis weiter beim Klimaschutz auf die Bremse tritt. Wenn Europa zusammen rücken soll, müssen wir im Klimaschutz voran gehen, uns nicht von Trump entzweien lassen. Dafür ist es aber notwendig, dass Deutschland seine inzwischen vernachlässigte Führungsrolle beim Klimaschutz zurück gewinnt. Das geht nur, wenn mit der Braunkohle in Deutschland und in Europa Schluss ist, die schmutzigsten Steinkohlekraftwerke vom Netz gehen und wir aus der intensiven Landwirtschaft und Massentierhaltung aussteigen. 14% weniger Immissionen in drei Jahren – das wäre doch mal ein Kimaschutzziel! Als 1986 der AKW-Unfall in Tschernobyl passierte, plakatierte die Ökopartei bundesweit ein Plakat mit einem AKW und nur einem Wort: Aussteigen! 14% : 3 ist noch kürzer und macht klar, dass die Politik sich jetzt keine Spirenzchen mehr leisten kann, wenn wir den Klimawandel noch aufhalten und den Planeten retten wollen. Bleibt abzuwarten, ob uns das die Grünen vor Augen führen und damit zeigen, dass sie mehr denn je gebraucht werden.

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