Bosbach: Laschets letzte Karte – Kommentar von Roland Appell

Roland Appel

Roland Appel

“Ich sage Ihnen heute nur die Hälfte der Wahrheit, dann haben se morjen noch jenuch Platz für das Dementi” – das hat Konrad Adenauer einem Journalisten verbrieft gesagt,  der ihn wegen eines aktuellen Problems ,,löcherte”. Dessen kölsche Souveränität ist dem derzeitigen CDU-Spitzenkandidat und möchtegern Junior-Anwärter auf Beteiligung an einer großen Koaliton, Armin Laschet, fremd. Seit Monaten turnt er erfolglos durch jede Talkshow von Maischberger bis Plasberg, ohne dass sich die Prognose bescheidener 30 Prozent für die CDU in NRW verändert – es geht eher nach unten. Er findet trotz Idis Amri und einer bräsigen Ministerpräsidentin, trotz profillosen Grünen und kurz vor der Implosion stehender AfD keinen Anpack, um zu erklären, warum er die insgesamt eher traurige Rot-Grüne Landesregierung durch eine noch traurigere unter CDU-Führung ersetzen sollte. Denn rechnerisch würde es nicht einmal für Schwarz-Gelb-Grün reichen – ganz abgesehen von dem traurigen Rest von Gemeinsamkeiten, die diese drei Parteien hätten. So droht wohl das Horrorszenario einer GroKo unter Führung der SPD.

In dieser Situation hat Laschet eine historisch bedeutungsvolle Idee gehabt, er hat den freundlichen und fleissigen, tapfer gegen seine Krankheit kämpfenden Wolfgang Bosbach MdB als Joker für sein längst verlorenes Kartenspiel gewonnen und bequatscht, den Joker zu geben. Bosbach soll als “Sicherheitsexperte” der NRW-CDU die Kompetenz verleihen, die sie offensichtlich nicht hat – in der heimlichen Hoffnung, dass zum einen fehlende Kompetenz, zum anderen aber vom menschlich sympathische Bosbach auch Empathie auf die NRW-CDU überspringt. In Wirklichkeit zeigt Laschet damit, mit welchen Dünnbrettbohrern seine Landesliste bestückt ist – niemand erwartet, dass sich Wolfgang Bosbach antut, in die Niederungen der NRW-Innenpolitik länger als bis zum Wahltag einzusteigen. Dem leidenschaftlichen Parteiarbeiter ist persönlich höchster Respekt zu zollen – allein es wird Laschet nichts nützen und ihn nicht retten.

In NRW wird Doppelkopf im Rheinland und in Westfalen gespielt. Es ist üblich, sich vor dem Spiel zu einigen, ob “die zweite über die erste” (Herz Zehn) geht, ob “Karlchen” (Kreuz Bube) als letzter Stich einen Punkt ergibt und ob mit oder ohne Joker gespielt wird. Laschet führt nun den guten Bosbach als Joker ein, obwohl das Spiel schon lange läuft. Wie sagte Michail Gorbatschow: “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben”.

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