Überfall auf Flüchtlinge in Manderscheid – Zwei Verdächtige (19, 24) ermittelt – Kommentar von Heinz Tutt

Manderscheid – Die Wittlicher Polizei hat nach dem Überfall auf Asylbewerber in Manderscheid womöglich einen schnellen Ermittlungserfolg erzielt. Zwei Männer wurden als Tatverdächtige ermittelt. Wie die rheinische-allgemeine.de berichtete, hatten Unbekannte in der Nacht zum vergangenen Samstag in der Burgstraße vor dem Souterrainfenster einer Flüchtlingswohnung randaliert. Mit Sturmgeläut hatten die Täter die Asylbewerber aus den Betten geholt und, als niemand öffnete, vor dem Fenster verbal und mit Gesten gedroht. Als die Flüchtlinge die Rollläden herunter ließen, traten sie rabiat gegen die Jalousien. Glas splitterte hinter den Rollläden. Etliche Fenster wurden zertrümmert, die Asylbewerber gerieten in Todesangst und wurden völlig eingeschüchtert. Die Polizei erschien am Ort, war offenbar aber zunächst nicht sehr beeindruckt von dem Vorfall.

Scherben nach dem Überfall: "Ans Fenster geklopft".      Bild: privat

Scherben nach dem Überfall: “Ans Fenster geklopft”. Bild: privat

Den Eindruck konnte man jedenfalls gewinnen, denn am folgenden Tag lag der Leitstelle in Trier ein Kurzbericht vor, wonach die Täter an das Fenster „geklopft“ hätten. Ob eine Straftat vorliege, wisse man noch gar nicht – so der Tenor. Nach beharrlichem Nachfragen schätzte man in Trier die Sachlage aber zwei Stunden später ganz anders ein. Jetzt, so der leitende Beamte, dürfe die Polizei gar nichts mehr zu dem Vorfall sagen, weil die Staatsanwaltschaft „den Daumen drauf“ habe und am Montag selbst eine Erklärung abgeben wolle.

Was hinter den Kulissen jetzt anlief, kann man nur ahnen. Die Ermittlungsmaschine kam in Gang. Zunächst konnte der Leitende Oberstaatsanwalt Fritzen in Trier, der für Presseauskünfte zuständig ist, am Montag keine Erklärung abgeben, weil er mit anderen Dienstgeschäften betraut war. Kurz nach 17 Uhr aber war es dann soweit. Fritzen hatte nach dem vorliegenden Sachverhalt offenbar noch keine Hinweise dafür, dass es sich um ein schwerwiegendes Delikt gegen Ausländer handele. Die Hürden zu Volksverhetzung beispielsweise sind in der Tat sehr hoch. Aber der Staatsanwalt konnte immerhin auf einen Erfolg verweisen und ließ deshalb die Trierer Polizei den Sachverhalt erklären. Fritzen mailte der rheinischen-allgemeinen.de den Wortlaut der Polizei-Erklärung:

„Sachbeschädigung / Bedrohung

Manderscheid. Polizei ermittelt Tatverdächtige nach Bedrohung, Sachbeschädigung und Beleidigung

Wegen Sachbeschädigung, Beleidigung und Bedrohung ermittelt die Polizei seit dem frühen Samstagmorgen, 11. Februar, in Manderscheid. Ermittlungen der Polizei führten zu einem 19- und einem 24-jährigen Tatverdächtigen.

Zwei Unbekannte sollen um kurz vor 1 Uhr u.a. Rollläden und Fensterscheiben an einem Wohnhaus in der Burgstraße beschädigt und ausländerfeindliche Parolen und Bedrohungen gerufen haben. Teilweise ist die Glasscheibe der Fenster zersplittert. In der betroffenen Wohnung des Mehrfamilienhauses wohnen Zuwanderer.

Nach den Ermittlungen der Polizei Wittlich stehen zwei junge Männer, die beide aus der Verbandsgemeinde Wittlich-Land stammen, im Verdacht, die o.g. Straftaten begangen zu haben. Sie räumten die Vorwürfe in ihren Vernehmungen teilweise ein.“

Ein schöner schneller Erfolg der Polizei, muss man anerkennend feststellen. Über Hintergrunde kann man zum derzeitigen Zeitpunkt nur spekulieren. Vernehmungen werden ergeben, welchen Einfluss ausländerfeindliche Motive gehabt haben.

Fest steht aber: Die Strafe für die beiden jungen Männer müsste schnell erfolgen, wenn sie ihre Wirkung, auch eine abschreckende Wirkung, nicht verfehlen soll. Übrigens: Ein wenig Solidarität seitens der Manderscheider Bevölkerung würde den ausländischen Opfern, die einer täglichen Arbeit nachgehen und ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, sicher auch gut anstehen.

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