Und die FIFA bleibt korrupt…

von Roland Appel

Was Großunternehmen weltweit umtreibt, von Siemens bis Telekom, von Volkswagen bis damals DaimlerChrysler – Compliance – das Einhalten von Gesetzen einerseits und die Ächtung von gesetzeswidrigen Verhaltens ist und bleibt für die FIFA eine fremde Welt. Josef Blatter, seine Kumpane der Korruption mögen Vergangenheit, wenn auch nicht vergessen sein: Die FIFA hat mit der Auszeichung von Christiano Rolando zum Fußballer des Jahres deutlich gemacht, dass sie nichts, aber auch gar nichts kapiert hat. Mutmaßliche Steuerverbrecher werden weiterhin als Helden geehrt und sogar demonstrativ ausgezeichnet. Die FIFA macht damit um ein weiteres Mal deutlich, was sie von Recht und Gesetz hält – gar nichts.

Roland Appel

Roland Appel

Es ist knapp einen Monat her, dass bekannt wurde, dass Ronaldo und andere Fußballstars wie auch der deutsche Superstar Mesut Özil verdächtigt werden, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben. In seiner Titelgeschichte „Die Geldmeister“ befasste sich der „Spiegel“ mit der Steuerpraxis europäischer Topfußballer. Superstars wie Cristiano Ronaldo (Real Madrid), Mesut Özil (FC Arsenal) und José Mourinho (Trainer bei Manchester United) haben demnach den Fiskus massiv und systematisch betrogen. Ronaldo soll zusammen mit seinem ehemaligen Trainer Mourinho über eine Briefkastenfirma in der Karibik jahrelang Millionen Werbegelder – etwa 75 Millionen Euro – vor dem Fiskus versteckt haben. Er hat von einer Sonderregelung im spanischem Steuersystem profitiert. Als diese auslief, soll Ronaldo über zwei Briefkastenfirmen auf den britischen Jungferninseln weitere 75 Millionen Euro auf einem Schweizer Bankkonto untergebracht haben. Nun handelt es sich bei den Vorwürfen um Vermutungen, der Betroffene ist noch nicht gerichtlich belangt worden und hat natürlich das Recht, nicht vorverurteilt zu werden.

Gleichwohl ist die Tatsache, dass er trotz dieser nicht geklärten Situation von der FIFA zum “Fußballer des Jahres” ernannt wurde, eine entlarvendes Beispiel des Rechtsbewusstseins, das nach wie vor in der FIFA herrscht. In jedem Unternehmen, jedem Verein und jeder Regierung wäre ein leidender Mitarbeiter oder Vorstand, gegen den ein solcher Verdacht besteht, erst einmal beurlaubt worden, zum eigenen Schutz aus der ersten Reihe zurück genommen worden, bis die Vorwürfe geklärt wären. Schließlich steht jeder internationale Fußballer für den Sport, für Fairness und speziell Ronaldo pflegt und beansprucht nur zu gerne ein soziales und mildtätiges Image. Anders bei der FIFA. Ihre Funktionäre mögen gewechselt haben, ihre Geldgier, Ignoranz gegenüber dem Recht und der Aufrichtigkeit gegenüber den Millionen von Fans, ohne die sie nicht existent wären, deren Geld sie gerne kassieren, die ihnen aber in Wirklichkeit erkennbar gleichgültig sind, diese zynische Einstellung der Machtelite des internationalen Fußballs ist ungebrochen.

Und nicht einmal die Macher des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, die diesem System so gigantisch viel Kohle für Übertragungsrechte aus unseren Rundfunkbeiträgen in den Rachen werfen, damit Ronaldo und Co ihre Taschen füllen können, während für Dokumentationen, gute Recherchen, politische Magazine und ordentlichen Recherchejournalismus oder auch nur für gute Unterhaltung kaum noch Geld übrig bleibt, schweigen. Keiner verliert überhaupt nur ein Wort. Bei der Mafia heisst das Omertá – das Schweigen.

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