WAZ: Rückfall der Merkel-Partei – Kommentar von Miguel Sanches zur CDU

Essen (EB) – In Essen gibt es keine normalen CDU-Parteitage. In den 80er-Jahren hat die CDU hier fortschrittliche Beschlüsse gefasst, hier nahm im Jahr 2000 Angela Merkels Aufstieg ihren Anfang, und hier fasste der Parteitag jetzt einen Beschluss, der alles andere als fortschrittlich ist: Dass die Delegierten vom Gesetz zur doppelten Staatsbürgerschaft abrückten, ist eine Belastung der Koalition und eine Erschütterung der Macht von Kanzlerin Angela Merkel.

Von Essen geht kein Signal des Aufbruchs aus, sondern des Unfriedens. Dass Merkel sich erst nach dem Parteitag über die Entscheidung hinwegsetzte, hat eine neue Qualität. Was für ein Sittengemälde!

Der Beschluss gilt nicht für Japaner, Amerikaner oder EU-Bürger. Im Klartext: Er richtet sich gegen eine Bevölkerungsgruppe, gegen die Deutschtürken. Sie sollen sich zwischen dem Land ihrer Eltern und ihrer neuen Heimat entscheiden. Das wird Unfrieden stiften, spalten, ein Rückfall für die Integration.

Die CDU emanzipiert sich von Merkel, ist aber drauf und dran, sich gesellschaftlich zu isolieren. Vielleicht hilft es gegen die AfD, vielleicht ist das die ganze Weisheit.

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