Kliniken/Hygiene: Gesundheitsexperte Lauterbach will notfalls Abteilungen schließen lassen

Karl Lauterbach, Bild: SPD

Karl Lauterbach, Bild: SPD

Köln (tu)Der Gesundheitsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Professor Karl Lauterbach, will notfalls Abteilungen in Krankenhäusern schließen lassen, wenn dort nicht die notwendigen Hygienevorschriften eingehalten werden. Im ARD-Morgenmagazin beklagte der Mediziner, dass in vielen Krankenhäusern nicht die richtige Einstellung zum Thema Hygiene vorhanden sei. „Wir haben aus meiner Sicht in Krankenhäusern nicht die richtige Einstellung, an vielen Orten zumindest, um aktiv nach Keimen zu suchen, die gefährlich sein können und die Verbreitung zu vermeiden. Wir sind oft stolz auf große medizinische Leistungen. Aber wir verlieren sehr viel am Lebensqualität und auch, ehrlich gesagt, an Menschen, durch die falsche Gewichtung. Da muss noch sehr viel Arbeit geleistet werden.“

Im Vergleich zu den Verkehrstoten stürben sehr viele Menschen durch vermeidbare Infekte im Krankenhaus, betonte Lauterbach. „Das sind übrigens oft Menschen, die ohne Infektion (in die Klinik, d.Red.) reingekommen sind. Die sind oft einer Routineoperation zugeführt worden und bekommen dann einen Keim, den sie nicht mehr loswerden. Das ist ein wichtiges, großes Problem. Daran arbeiten wir schon seit ein paar Jahren. Man muss ehrlich sein. Der Erfolg ist nicht so groß, wie ich mir es auch als Arzt wünschen würde.“

Es sei eine „fatale Einstellung“, mangelnde Hygienestandards mit zu wenig Personal zu rechtfertigen, sagte Lauterbach. „Im Krankenhaus sind die Manager gefragt, um durchzusetzen: Womit identifizieren wir uns am Krankenhaus?“ Die Zuständigkeit liege bei den Ländern, um Häuser zu kontrollieren und notfalls „Abteilungen dicht zu machen“. „Der Fisch stinkt vom Kopf weg. Das Management hat in vielen Krankenhäusern eine andere Priorität.“ Es gehe um Gewinne, sagte Lauterbach. „Deshalb müssen wir dort mehr strafen, wir müssen mehr Anreize geben, und da müssen wir mit den Ländern zusammenarbeiten – weil die sind zuständig. Ich persönlich hielte es für absolut richtig, dass Abteilungen, wo die Infektionen häufig vorkommen, auch gefährlich sind und vermeidbar sind, dass diese Abteilungen diese Eingriffe dann nicht mehr dürfen oder ganz geschlossen werden.“

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