Ministerin Steffens und Minister Jäger: Bei sexuellen Übergriffen null Akzeptanz auch an Karneval

Düsseldorf (EB) – Auch während der Hochphase des Karnevals muss null Akzeptanz gegenüber jeglicher Form von sexuellen Übergriffen gelten – Emanzipationsministerin Barbara Steffens fordert dazu auf, Grenzüberschreitungen konsequent anzuzeigen. Innenminister Ralf Jäger kündigt eine deutlich verstärkte Präsenz der NRW-Polizei an den Karnevalstagen an. Über die Web-App des Landes www.sicher-feiern.nrw.de können im Ernstfall via Smartphone mit einem Klick Notrufe abgesetzt werden. Außerdem fördert das Land Security-Points, die Frauenberatungsstellen an Altweiberfastnacht und Rosenmontag an zentralen Punkten in Köln und Düsseldorf errichten.

Foto: MGEPA, F. Berger

Foto: MGEPA, F. Berger

„Auch unter der Maske des Karnevals darf kein Platz für Übergriffe gegen Frauen sein“, erklärte Ministerin Steffens in Düsseldorf. „Jede Form von Sexismus und sexualisierter Gewalt muss sichtbar gemacht werden, auch an den tollen Tagen. Wenn Männer Grenzen überschreiten, sollten sie angezeigt werden, egal woher sie kommen. Nein heißt Nein – auch an Rosenmontag. Das muss endlich allen klar sein in unserer Gesellschaft“, so Ministerin Steffens weiter.

Innenminister Jäger,  Bild: Sondermann

Innenminister Jäger, Bild: Sondermann

„Die NRW-Polizei setzt an den Karnevalstagen geschulte Polizistinnen und Polizisten ein, die sich besonders um Frauen kümmern, die Opfer von Sexualdelikten geworden sind“, hob Innenminister Jäger hervor. „Sie nehmen die Anzeigen auf, informieren über Opferrechte und vermitteln die Frauen auf Wunsch an Opferberatungsstellen.“

In Köln wirbt das Festkomitee des Kölner Karnevals gemeinsam mit weiblichen Karnevalsvereinen mit dem Slogan „Kölsche Jecke gegen sexuelle Übergriffe“ für einen Karneval ohne männlichen Machtmissbrauch. In Düsseldorf stellt der Verein „Düsseldorfer Jonges“ seine zentral gelegene Geschäftsstelle kostenfrei als „Security Point“ für Frauen zur Verfügung.

Die Polizei Nordrhein-Westfalen wird für einen größtmöglichen Schutz an den Karnevalstagen besonders präsent sein.

Das Emanzipationsministerium hat zusätzlich eine Web-App entwickelt, mit der im Ernstfall schnelle Hilfe erreicht werden kann. Die Anwendung lässt sich unter www.sicher-feiern.nrw.de auf Smartphones kostenlos aufrufen. Mit nur einem Klick können im Falle eines Übergriffs Notfall-Nummern aufgerufen und gewählt werden. Installiert ist neben dem zentralen Notruf auch das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, bei dem bedarfsweise auch eine Dolmetscherin oder ein Dolmetscher zugeschaltet werden kann. Für die Karnevalshochburgen Düsseldorf und Köln bietet die App zusätzlich die Adresse und die Navigation zum örtlichen Security-Point der Frauenberatungsstellen (in Düsseldorf an Altweiber und Rosenmontag jeweils von 10.00 Uhr morgens bis 2.00 Uhr nachts; in Köln an Altweiber und Rosenmontag jeweils von 11.11 Uhr morgens bis 24 Uhr nachts). Hinterlegt sind außerdem weiterführende Informationen und Links zur Thematik „Gewalt gegen Frauen und LSBTI*“ (LSBTI* = Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intersexuelle).

Die Gleichstellungsbeauftragen von Düsseldorf und Köln haben zusammen mit den Frauenhilfeeinrichtungen Teams zusammengestellt, die an den Hauptkarnevalstagen an eigens eingerichteten „Security Points“ als Ansprechpartnerinnen für Frauen im Falle von Übergriffen zur Verfügung stehen. Die Anlaufstellen befinden sich an zentralen Punkten, also „mitten im Geschehen“ (Düsseldorf: Mertensgasse 1; Köln: Roncalliplatz 2 / Ecke Bücher Kösel). Sie werden gemeinsam mit der Polizei Hilfe und Beratung für Frauen bieten.

„Mit dieser Unterstützung, unserer App, den Security-Points und stärkerer Polizeipräsenz sollen sich insbesondere Frauen an den tollen Tagen sicher fühlen können“, so Ministerin Steffens. „Die Frauenberatungsstellen und die Gleichstellungsbeauftragten haben in kürzester Zeit die Anlaufpunkte auf die Beine gestellt und stehen mit ihren Mitarbeiterinnen den Frauen im Karneval hochmotiviert zur Seite“, betonte die Ministerin.

Aber alle seien jetzt gefordert, deutliche Zeichen für eine sichtbare Kultur des Respekts zu setzen. Denn sexualisierte Gewalt und sexuelle Belästigung existieren in Deutschland insgesamt in hohem Maße. Nach einer Studie, die bereits aus dem Jahr 2004 stammt, sagen 58 Prozent der Frauen, dass sie in ihrem Leben am Arbeitsplatz sowie in der Öffentlichkeit sexuell belästigt worden sind. 40 Prozent aller Frauen über 16 Jahren sind danach in ihrem Leben sexueller Gewalt ausgesetzt gewesen. Zehn Jahre später hat sich daran offensichtlich wenig geändert: Im Rahmen einer europaweiten Studie gibt jede zweite Frau über 15 Jahre an, bereits mit einer oder mehreren Formen sexueller Belästigung konfrontiert worden zu sein.

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