Kölner Justiz urteilt hart: Wegen 1,99 Euro bei räuberischen Diebstahls sechs Monate Haft gegen irakischen Jugendlichen

Eigentlich wäre es ja keiner journalistischen Beachtung wert. Da entwendet ein Jugendlicher Socken im Wert von 1,99 Euro, wird dabei erwischt und will mit der Beute fliehen. Weil er dabei einen Angestellten gewaltsam angeht, stellt sich diese Tat als schwerwiegend dar. Die Kölner Justiz hat diesen Fall jetzt öffentlich gemacht und Haft verhängt. Von wegen Sozialstunden. Der Verurteilte ist Ausländer und Asylsuchender. Noch vor Monaten wäre eine Pressemitteilung der Justiz über einen solchen Fall schwer vorstellbar gewesen. Die Justiz urteilt nach Recht und Gesetz. Aber warum sieht sie sich veranlasst, dies in diesem eigentlich unbedeutenen Fall öffentlich zu machen? Im Folgenden der beachtenswerte Wortlaut der aktuellen Pressemitteilung des Kölner Gerichts.

Amtsgericht Köln verurteilt Heranwachsenden wegen räuberischen Diebstahls zu 6 Monaten Jugendstrafe ohne Bewährung

Das Jugendschöffengericht hat heute einen 19 Jahre alten Angeklagten wegen räuberischen Diebstahls in einem minderschweren Fall zu einer Jugendstrafe von 6 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Das Gericht hat bei seiner Entscheidung das Jugendstrafrecht angewandt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Aufgrund der heutigen Hauptverhandlung sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Angeklagte am 24.11.2015 aus den Auslagen des Drogeriemarktes Rossmann in Köln-Kalk ein Paar Socken im Wert von 1,99 Euro entwendet hat. Hinter dem Kassenbereich wurde der Angeklagte von einem Mitarbeiter angesprochen, der ihn aufforderte, ihm in das Büro des Drogeriemarktes zu folgen. Dieser Aufforderung kam der Angeklagte jedoch nicht nach, woraufhin es zu einer Rangelei zwischen dem Mitarbeiter und dem Angeklagten kam. Der Angeklagte handelte dabei in der Absicht, sich im Besitz der Diebesbeute zu halten und mit dieser aus dem Ladenlokal zu entkommen.

Der Angeklagte, der keine Vorstrafen hat, ist nach Auskunft des Ausländerzentralregisters im September 2012 erstmals nach Deutschland eingereist. Zurzeit wird der dritte Asylantrag des irakischen Angeklagten geprüft, nachdem die ersten beiden Anträge bereits erfolglos waren. Der Angeklagte befand sich auf Grund dieser Tat bereits seit dem 24.11.2015 in Untersuchungshaft.

Aktenzeichen: 641 Ls 283/15“

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