Kölner Oper: „Projekt-Euphorie essen Verstand auf“ – Freie Wähler zum Opernflop

Köln (EB) – Das Kölner Ratsmitglied Andreas Henseler beklagt Missmanagement in der Stadtverwaltung. Der Eröffnungstermin für die Oper wird wohl nicht zu halten sein. Der Stadt fehle ein „Plan B“.

Immer dann, wenn ein komplexes Vorhaben mit großem Prestigewert in Gang gesetzt wird, geschieht dies durch eine ausgeprägte Projekt-Euphorie, resümiert Henseler in einer Presseerklärung. Diese funktioniert so, dass alle Befürworter das Projekt über den grünen Klee loben (“einzigartig für die Stadt”, “unübertroffen weltweit”, “ein kulturpolitisches Juwel”, usw.) und die Kritiker zum Schweigen verdonnert werden (“Bedenkenträger”, Erbsenzähler”, Kulturbanausen”, “Nestbeschmutzer”, etc.). So war es auch beim Vorhaben Operneröffnung am 7. November in der kulturpolitischen Debatte in Köln. “Im Kulturausschuss war es förmlich in jeder Sitzung mit Händen zu greifen”, sagt Andreas Henseler, Ratsmitglied der Freien Wähler. “Die ängstlichen Fragen des rot-grünen Damen-Duos der Ausschuss-Spitze nahmen immer groteskere Formen an. In gleichem Maß wurden die Antworten der Leiterin der Gebäudewirtschaft immer virtuoser. Sie schaffte es, sich nie eindeutig festzulegen (“nach heutigem Stand…”, “voraussichtlich…”, “wenn nicht etwas ganz besonderes passiert…”) und trotzdem die Fragestellerinnen zu beruhigen. Letzteres war einfach, weil diese auch beruhigt werden wollten”.

Auf diese Weise stieg die Zuversicht, das Premierenprogramm wurde mit viel Beifall der staunenden Öffentlichkeit vorgestellt und ein Beschleunigungsprogramm mit Abstrichen (Kinderoper) und Risiken (Kostensteigerungen) genehmigt. Auf einen Plan B wurde verzichtet, um den Druck im Kessel auf alle Beteiligten zu erhöhen. Ansonsten, so die Befürchtung, wären alle Beteiligten nicht hinreichend auf den Termin eingeschworen gewesen.

“Management by Pizarro”, sagt Andreas Henseler. “Der verbrannte vor der Eroberung des Inka- Reichs bekanntlich seine Schiffe, um seine Männer zu motivieren”. Im 21. Jahrhundert empfiehlt es sich jedoch, einen Plan B wenigstens verdeckt zwischen Oberbürgermeister und Kulturdezernentin abzustimmen. Bleibt abzuwarten, ob er heute verkündet wird. Es ist kein Hexenwerk – das Schauspiel bleibt zunächst im Depot I, für die Oper gibt es ein abgespecktes Programm an verschiedenen Standorten, und der Eröffnungstermin wird um ein Jahr verschoben.

“Für die Stadt ist das ein Flop, aber keine Katastrophe. Es wäre eher ein Wunder gewesen, wenn Köln sich nicht in die Reihe der Städte mit aus dem Ruder laufenden Großprojekten – wie Hamburg mit seiner Elbphilharmonie, Stuttgart mit seinem Bahnhof und Berlin mit seinem Flughafen – eingereiht hätte. Der Mechanismus “Euphorie gegen Verstand” ist schließlich ein nationales Phänomen.”

In Köln kann man auf dem Rathausplatz den nächsten Fall – allerdings mit größerem Katastrophenpotential – beobachten: das Vorhaben Archäologische Zone/Jüdisches Museum.

Tags: , , ,

Comments are closed.