DGB lehnt eigenes Fach Wirtschaft ab

Düsseldorf (EB) – Die Forderung des Bankenverbandes nach Einführung eines eigenen Schulfaches Wirtschaft hat heute die Stellvertretende Vorsitzende des DGB NRW Dr. Sabine Graf zurückgewiesen. Der DGB fordert stattdessen eine verbesserte ökonomische Bildung in Integrationsfächern wie Sozialwissenschaften.

In einer Pressmitteilung erklärte der DGB: „Dass die Verursacher der Finanzmarktkrise mehr ökonomische Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern fordern, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.  Hinter der Forderung nach einem eigenständigen Fach Wirtschaft stehen handfeste Interessen: Die Forderung unterstellt, dass isoliertes ökonomisches Wissen einen höheren Stellenwert hat als politische, soziale, ökologische oder ethische Bildung. Dass diese Themen mit einem eigenständigen Fach in den Hintergrund treten sollen, ist beabsichtigt. Ökonomische Probleme lassen sich im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung nur im Kontext unterschiedlicher Disziplinen sinnvoll einschätzen. Am Beispiel Griechenlands lässt sich dies belegen. Fragen der sozialen Spaltung, der wachsenden Armut und die damit verbundenen politischen Verwerfungen müssen bei wirtschaftlichen Themen immer mitgedacht werden – gerade im Unterricht!

Wir brauchen keine Zerstückelung der Bildung in immer kleinere Häppchen und Kleinstfächer. Notwendig ist das Lernen in Zusammenhängen – auch deshalb weist die Diskussion um ein eigenes Schulfach Wirtschaft in die falsche Richtung. Mit der ‚Rahmenvorgabe ökonomische Bildung‘ hat NRW die richtige Richtung eingeschlagen. Wir fordern die Landesregierung auf, diese zeitgemäß weiterzuentwickeln.

Anders als der Bankenverband fordert der DGB zusätzlich eine Stärkung der politischen Bildung in Schule und Gesellschaft. Anschläge auf Asylbewerberheime, das Erstarken rechtsextremer Parteien und zunehmende extremistische Tendenzen unterschiedlichster Ausrichtungen sind Alarmsignale, die nicht übersehen werden dürfen.

Bezeichnend ist, dass in den meisten Vorschlägen für ein Fach Wirtschaft die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern allenfalls ein Schattendasein fristen. Dabei wird die große Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler auch in Zukunft als abhängig Beschäftigte auf dem Arbeitsmarkt bestehen müssen. Es ist deshalb wichtig, dass sie ein umfassendes Bild von der Arbeitswelt bekommen. Nur so können sie ihre eigenen Vorstellungen von einem guten Leben und guter Arbeit entwickeln sowie ihre Anforderungen an die Arbeitswelt formulieren.“

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