Griechenland: ESM-Rettungsschirm kann 50 Milliarden zur Verfügung stellen

Köln (tu) – Der Chef des ESM-Rettungsschirms, Klaus Regling, geht davon aus, dass der ESM von den insgesamt 85 Milliarden für Griechenland etwa 50 Milliarden übernehmen wird. Im ARD-Morgenmagazin erklärte Regling: „Die Summe ist nicht mindestens, sondern höchstens 85 Milliarden Euro. So hat sich der Gipfel am Wochenende geeinigt. Ich erwarte, dass aus dem Rettungsschirm nur davon ein großer Teil kommt, vielleicht 50 Milliarden, denn an dem Rettungspaket beteiligt sich auch der IWF. Ich kenne die genaue Summe noch nicht. Es werden Privatisierungserlöse auch Teil dieses Pakets sein. Und ich erwarte auch, dass in diesem Drei-Jahres-Zeitraum (…) für Griechenland der Zugang zu den Märkten wieder gelingt.“ Dies sei nicht unrealistisch, betonte Regling.

Der ESM sei in der Lage, mittels Anleihen insgesamt 450 Milliarden Euro an Krediten zur Verfügung zu stellen. Die europäischen Staaten haben im ESM 80 Milliarden Bareinlagen eingezahlt. „Das dient zur Absicherung unserer Anleihen am Markt“, erläuterte Regling. Die Größe des Rettungsschirms reiche in jedem Fall für das griechische Rettungspaket, versicherte der ESM-Chef.

Die Frage, ob die Euro-Zone in Gefahr sei und deshalb der ESM handeln müsse, beantwortete Regling differenziert in der ARD. „Ein Risiko besteht für die Finanzmarktstabilität. Man muss einfach sehen, wenn Griechenland kein drittes Hilfspaket bekommen sollte – noch stehen wir ja am Anfang dieses Prozesses, Parlamente müsse zustimmen, dann werden die Verhandlungen erst beginnen – wenn das alles scheitern sollte, dann wird das griechische Bankensystem zusammenbrechen. Und die vier größten griechischen Banken sind System relevante Banken. Sie werden auch von der europäischen Bankenaufsicht beaufsichtigt. Und wenn hier die vier größten System relevanten Banken eines Landes nicht mehr funktionieren, dann hat das schwerwiegende Auswirkungen nicht nur für Griechenland selbst, sondern auch für den Euroraum insgesamt.“

Regling erläuterte, dass anders als vor fünf Jahren zu Beginn der Eurokrise heute andere Gefahren bestünden. „Damals war die Gefahr von Domino-Effekten. Wenn es keine Hilfsaktionen für Griechenland gegeben hätte, dann hätte die Krise sehr schnell übergreifen können auf andere Länder im Euro-Land. Die Gefahr ist heute nicht mehr da, weil andere Länder ihre Hausaufgaben gemacht haben. Sie stehen heute stärker da.“ Der Domino-Effekt sei also heute nicht mehr als Gefahr zu sehen. „Aber die Problematik, die sich über die griechischen Banken ergeben kann, ist ein Problem, dem wir begegnen sollten. Das steht am Ausgangspunkt dieser Verhandlungen, und es ist ein ganz wichtiger Punkt, dass die griechischen Banken rekapitalisiert und umstrukturiert werden.“

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